Gesunde Zähne sind ein hohes Gut, das wir oft erst dann zu schätzen wissen, wenn es in Gefahr ist. Wenn Zähne durch Karies oder andere Ereignisse zerstört sind, wird uns bewusst, wie sehr wir sie zum Kauen, aber auch zum Sprechen benötigen, und welch großen Einfluss sie nicht zuletzt auch auf unser Erscheinungsbild haben. Glücklicherweise sind wir heute in der Lage, durch geeignete Vorbeugungsmaßnahmen unsere Zähne und die Zähne unserer Kinder gesund zu erhalten.

In den vergangenen Jahren ist die Zahngesundheit der Kinder und Jugendlichen in großem Umfang besser geworden. Insbesondere, was die bleibenden Zähne betrifft, finden sich heute viele Kinder und Jugendliche ohne einen einzigen Zahn mit einer Karies oder einer Füllung. Auch die durchschnittliche Zahl an Zähnen mit Löchern oder Füllungen ist stark gesunken. So haben beispielsweise 12-Jährige im Durchschnitt weniger als einen kariösen oder gefüllten bleibenden Zahn, und auch bei 15-Jährigen sind es weniger als 2 Zähne. Doch diese Erfolge sind nicht von allein gekommen, und sie können nur erhalten werden, wenn die bewährten Maßnahmen der Kariesprophylaxe wie das regelmäßige Zähneputzen mit fluoridhaltigen Zahnpasten oder eine gesunde Ernährungsweise fortgesetzt werden. Ebenso wichtig ist die regelmäßige zahnärztliche Kontrolle, bei der kariesgefährdete Zähne rechtzeitig, z.B. durch eine Versiegelung, besonders geschützt werden können.

Ein Teil der Kinder und Jugendlichen hat nicht das Glück, dass ihre Zähne von Anfang an durch regelmäßige Mundhygiene oder eine zahngesunde, also zuckerarme Ernährung geschützt werden. Bei ihnen sind leider immer noch weit mehr als im Altersdurchschnitt zerstörte oder kariöse Zähne vorzufinden. In den betreffenden Familien stehen oftmals andere Alltagsprobleme als die Zahngesundheit im Vordergrund. Diese Kinder und deren Eltern sind in besonderem Maße auf professionelle Hilfe durch den Zahnarzt und sein Team angewiesen. Die hier angewendeten Maßnahmen der Intensivfluoridierung, der Fissurenversiegelung oder der professionellen Zahnreinigung haben vielfach ihre Wirksamkeit unter Beweis stellen können.

Ein deutliches Wort soll noch zur Zahngesundheit im Milchgebiss, also bei den Klein- und Vorschulkindern, geäußert werden. Hier sind die Erfolge der Kariesprophylaxe längst nicht so groß wie im bleibenden Gebiss. Im Gegenteil, die Karies im Milchgebiss ist noch weit verbreitet, und im Alter von 6 oder 7 Jahren haben bereits viele Kinder Karies. Besonders erschreckend: Ungefähr die Hälfte aller Zahndefekte in diesem Alter ist nicht behandelt worden. Hieraus lässt sich zweierlei ableiten: Zum einen ein Appell an die Eltern, die Zahngesundheit ihrer Kinder vom ersten Milchzahn an ernst zu nehmen, zum anderen aber auch der Hinweis, dass die Kontrolle der Kleinkinder, verbunden mit einer Beratung der Eltern, weit vor dem sechsten, ja sogar dritten Lebensjahr erfolgen muss. Das mag erstaunen, doch zumindest speziell geschulte Kinderzahnärzte, aber in der Regel auch Hauszahnärzte, sind hierzu in der Lage.

Im Zusammenhang mit der Milchzahnkaries muss auf die immer noch anzutreffende Unsitte hingewiesen werden, den Kleinkindern Saugerflaschen mit zuckerhaltigem Inhalt langandauernd zum selbständigen Gebrauch zu überlassen. Hierdurch wird die Entstehung sehr großer Zahn- und Gebissschäden beim Kind mitverursacht, die nur mit aufwändigen Behandlungsmaßnahmen zu beheben sind. Besonders gefährlich ist es, dem Kind eine Saugerflasche mit gesüßtem Inhalt nachts zum Einschlafen zu überlassen. Schwere Zahnschäden sind vorprogrammiert!

 

Mit freundlicher Genehmigung: Prof. Schiffner, Fortbildungsreferent der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde