Das obstruktive Schlafapnoesyndrom

Frau Dr. Stähler ist zertifiziert in „Diagnostik und Therapie schlafbezogener Atmungsstörungen“ nach den BUB-Richtlinien der Dt. Gesellschaft für Schlafmedizin DGSM zur Diagnostik und Therapie schlafbezogener Atmungsstörungen und hat entsprechende Curriculum-Kurse bei der Dt. Gesellschaft für Zahnärztliche Schlafmedizin DGZS absolviert.

Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) ist eine weit verbreitete schlafbezogene Atemstörung. Dabei kommt es durch eine zu starke Erschlaffung eines Teiles der Rachenmuskulatur im Schlaf zum Schnarchen und zu Atemstillständen durch einen Verschluss im Rachenbereich. Die Atempausen können bis zu einer Minute anhalten. Hierbei versucht der Körper weiterhin durch Atembewegung und Erhöhung der Atemanstrengung zu atmen. Durch die Atempausen kommt es zur Sauerstoffunterversorgung lebenswichtiger Organe, einer erhöhten Atemanstrengung (Atemarbeit) und anschließend zu lebensrettenden unbewussten Weckreaktionen (Arousals). Die Patienten wachen nicht auf und erinnern sich morgens auch nicht daran.

Durch die häufigen Weckreaktionen wird die normale Schlafarchitektur und damit die Schlafqualität zerstört. Tiefschlafphasen und REM-Phasen nehmen ab. Dabei berichten Patienten häufig, dass sie außerordentlich gut schlafen, der Schlaf aber nicht erholsam ist und sie morgens “wie gerädert” aufstehen. Folge ist eine Störung der Schlafqualität. Zudem kommt es im Rahmen der Arousals zu unregelmäßigem Herzschlag und nächtlichen Bluthochdrucksituationen, so dass langfristig eine Belastung des Herz-Kreislaufsystems resultiert.

Sehr wichtig für eine frühzeitige Diagnose ist daher die Fremdanamnese, d.h. die Schilderung der Abläufe durch den ggf. vorhandenen Partner.

Klinische Beschwerden

Die Leitsymptome der Erkrankung äußern sich bei den Patienten durch eine erhöhte Tagesschläfrigkeit und Einschlafneigung am Tag.

Leitsymptome

  • Unregelmäßiges Schnarchen
  • Nächtliche Atempausen
  • Tagesschläfrigkeit

Daneben können noch verschiedene fakultative Symptome auftreten:

  • Unruhiger Schlaf, Durchschlafstörung
  • Nächtliches Wasserlassen (Nykturie), Erwachen mit Atemnot
  • Nächtliches Herzrasen, Nächtliches Schwitzen, Morgendliche Kopfschmerzen
  • Soziale Beeinträchtigung
  • Impotenz, Libidoverlust
  • Leistungsschwäche, Konzentrationsschwäche

Gesundheitsrisiko bei unbehandelter Schlafapnoe

Neben der subjektiven Beschwerdesymptomatik kann ein unbehandeltes Schlafapnoesyndrom durch den nächtlichen Blutdruckanstieg infolge der Weckreaktionen und Sauerstoffmangelzuständen zu langfristigen gesundheitlichen Schäden führen, da verschiedene Krankheitsbilder hierdurch begünstigt werden. Vor allem bei Patienten mit mehr als 20 Atmungsstörungen pro Stunde Schlaf und starken Sauerstoffentsättigungen ist das Risiko für kardiovaskuläre Folgeerkrankungen erhöht. Die Lebenserwartung ist deshalb bei unbehandeltem Schlafapnoesyndrom deutlich verkürzt.

Folgende Krankheitsbilder können durch ein Schlafapnoesyndrom hervorgerufen oder verstärkt werden:

  • Arterielle Hypertonie (ca. 50% der Schlafapnoepatienten)
  • Herzkranzgefäßverengung (ca. 25% der Schlafapnoepatienten)
  • Erhöhtes Herzinfarktrisiko (Anstieg auf das 3-fache Risiko)
  • Herzmuskelschwäche (ca. 31% der Schlafapnoepatienten)
  • Erhöhtes Schlaganfallrisiko (Anstieg auf das 4-fache Risiko)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Pulmonalarterielle Hypertonie
  • Diabetes mellitus (durch schlechtere Insulinwirkung)

Außerdem liegt ein etwa dreifach erhöhtes Unfallrisiko bei Schlafapnoepatienten vor. Es ist bekannt, dass 25% der tödlichen Autounfälle in Bayern durch Einschlafen am Steuer verursacht sind. Viele dieser Unfälle sind nicht auf einfache Übermüdung, sondern auf ein vorliegendes Schlafapnoesyndrom zurückzuführen. Bekanntermaßen sind auch Busfahrer, Lokführer und Piloten von der Erkrankung betroffen.

Diagnostik (Schlafapnoe oder Schnarchen?)

Kommt der Arzt nach Anamnese und klinischer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass ein Obstruktives Schlafapnoesyndrom die Ursache für die vorhandenen Symptome sein könnte, wird er eine ambulante Polygraphie oder eine polysomnographische Untersuchung im Schlaflabor in Erwägung ziehen.

Vom Obstruktiven Schlafapnoesyndrom abgrenzen muss man das sog. primäre Schnarchen, das v.a. bei Männern im mittleren bis höheren Alter auftritt (die Angaben schwanken zwischen 20 und 46%), jedoch auch bei Frauen vorkommt (die Angaben schwanken zwischen 8 und 25%). Dabei handelt es sich lt. Definition nicht um eine Erkrankung mit einer Gesundheitsgefährdung. Deshalb wir hier nur therapiert, wenn von Seiten der Betroffenen (oder der Partner) ein Therapiewunsch besteht.

Therapiemöglichkeiten

Aktuelle Studien zeigen: Mit einer Therapie der Schlafapnoe lässt sich die Lebenserwartung deutlich verbessern.

Die Überdruckbehandlung oder CPAP (Maskenbeatmung) ist einfach und greift gut, stellt aber oft ein erhebliches Problem bezüglich der Adhärenz (Akzeptanz und Einhaltung der Therapie / Zusammenarbeit von Patient und Arzt) bei den Patienten dar. Diese fürchten die Nachteile der Atemmaske im Zusammenleben mit dem Lebenspartner und ängstigen sich vor einer Technikabhängigkeit. Zu einer Störung des Selbstbildes gesellen sich körperliche Nebenwirkungen wie Druckstellen, Bindehautentzündung und Dauerschnupfen.

Eine gleichwertige Therapieform ist bei leichten und mittelschweren Schlafapnoen die von uns individuell gefertigte, an das Gebiss des Patienten angepasste Unterkieferprotrusionsschiene (UPS), die die Aufgabe hat, den Unterkiefer nachts nach vorne zu verlagern, um dadurch gleichzeitig die im oberen Atemweg bestehende Störung zu beheben bzw. die Atemwege freizuhalten (z.B. Somnodent-Schiene). Die Gleichwertigkeit dieser Therapie ist inhaltlicher Gegenstand der aktuellen S3-Leitlinie Nicht-erholsamer Schlaf/Schlafstörungen – Kapitel „Schlafbezogene Atmungsstörungen“ von 11/2016. In der überwiegenden Zahl wirkt die UPS gut, jedoch gibt es auch hier einige wenige Patienten, die nicht auf die Schiene ansprechen.

Die Änderung von bestimmten Verhaltensweisen oder Gewohnheiten könne die Symptome verbessern helfen: dazu gehören eine andere Schlafposition durch Vermeidung der Rückenlage, Gewichtsreduktion (Diät, Sport), Einschränken des Tabakkonsums und der Verzicht auf Alkohol ab vier Stunden vor dem Schlafengehen.

Daneben gibt es – für ganz seltene Fälle – auch operative Therapiemöglichkeiten. Ob diese sinnvoll sind, hängt von der Schwere der Schlafapnoe und den individuellen anatomischen Gegebenheiten der oberen Atemwege des Patienten ab und obliegt dem Fachgebiet der HNO.