Karies ist eine Erkrankung, von der fast alle erwachsenen Menschen betroffen sind. Sie entsteht, wenn Bakterien in Zahnbelägen (Plaque) mit der Nahrung des Menschen wiederholt Zucker erhalten. In den Mundhöhlenbakterien wird der Zucker direkt auf der Zahnoberfläche zu Säuren abgebaut. Durch die Säuren werden die Zähne entmineralisiert, und aus einer anfänglichen Entmineralisierung entsteht im Laufe einiger Monate ein kariöser Defekt. Schließlich kommt es auf diese Weise zur Zerstörung der Zähne.

Im Milchgebiss ist immer noch ein hoher Kariesbefall zu verzeichnen. Das ist für die betroffenen Kinder mit unangenehmen Konsequenzen verbunden, zumal nur ca. die Hälfe dieser kariösen Defekte behandelt ist. Das bedeutet, dass im Milchgebiss jeder zweite Zahn mit Karieserfahrung nicht mit einer Füllung repariert worden ist, sondern einen unversorgten
Defekt darstellt.

Ein gesundes Milchgebiss hat eine hohe Bedeutung für die gesunde Entwicklung des Kindes. Vielfach äußern Eltern die Auffassung, die Bedeutung der Milchzähne sei gering, da sie nur vorübergehender Natur seien („Es ist ja nur ein Milchzahn“). Folgende Fakten sprechen für die hohe Bedeutung des Milchgebisses:

  • Milchzähne sind Platzhalter für die bleibenden Zähne und wichtig für die Entwicklung der Kiefer und des Schädels.
  • Die Gesundheit der bleibenden Zähne hängt direkt von der Gesundheit der Milchzähne ab, da entzündete Milchzahnwurzeln die gesunde Entwicklung der nachfolgenden bleibenden Zähne gefährden können.
  • Intakte Milchzähne sind erforderlich für die Nahrungsaufnahme und damit bedeutsam für die körperliche Entwicklung.
  • Intakte Milchzähne sind erforderlich für das Erlernen des Sprechens.
  • Stark zerstörte Milchzähne können unter Kindern Anlass für Hänseleien sein und damit einer Hemmung der emotionalen und sozialen Entwicklung Vorschub leisten.

Die Vorbeugung gegen Karies im Milchgebiss beginnt schon lange, bevor das Baby seine ersten Zähne bekommt. Es ist heute eindeutig erwiesen, dass die Quelle der Mundhöhlenkeime in fast allen Fällen die Mutter ist. Wenn die Mutter selber unversorgte Karies hat, wird das Kind diese Keime bekommen, und dann in seiner bakteriellen Plaque viele Kariesbakterien (Streptococcus mutans) aufweisen. Hierdurch steigt das Risiko für das Kind, selbst frühzeitig an Karies zu erkranken. Die Vorbeugung gegen Karies oder die Behandlung von Karies bei der Mutter ist daher ein weiterer Schritt zum Wohle des Nachwuchses wie auch der Mutter.

Quelle: Prof. Dr. Schiffner, Hamburg, Fortbildungsreferent der Deutschen  Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde