Die Mundhöhle dient als Lebensraum für zahlreiche Mikroorganismen. Diese können einerseits nützlich sein, andererseits besteht aber auch die Gefahr, dass sie Zähnen und Zahnhalteapparat Schäden zufügen. Eine gründliche, regelmäßige und vor allem richtige Mund- und Zahnpflege im Milch- und Wechselgebiss ist deshalb eine notwendige Voraussetzung zur Vorbeugung von Erkrankungen in der Mundhöhle. Zudem unterstützt sie alle zahnärztlichen Maßnahmen.

In den Industrieländern ist Karies die häufigste Erkrankung bei Kindern. Karies kann schon ab dem ersten Milchzahn auftreten und gefährdet sowohl das Milchgebiss als auch die bleibenden Zähne. Entscheidend für die Verhinderung von Karies ist neben einer adäquaten Ernährung – keine Saugerflaschen nach dem ersten Lebensjahr! – die lokale Anwendung von Fluorid als Bestandteil der Kinder-Zahnpasta. Da die Kinder dem Zahnarzt meist erst später vorgestellt werden, liegt die frühe Kariesprävention in Deutschland im Moment in den Händen der Kinderärzte. Es ist also die gemeinsame Aufgabe von Kinder- und Zahnärzten, den Eltern die Notwendigkeit der frühen Kariesprävention zu vermitteln – und somit die richtige Mund- und Zahnpflege.

Ab dem ersten Milchzahn

Für die Eltern bedeutet das: Sie müssen ab dem ersten Milchzahn das Zähneputzen ihrer Kinder übernehmen. Denn bis in das Schulalter hinein sind Kinder, auch aus  motorischen Gründen auf die Unterstützung der Eltern beim Zähneputzen angewiesen. Zähneputzen sollte bereits für Kleinkinder zu einem täglichen Ritual werden. In den ersten beiden Lebensjahren sollten entsprechend den Empfehlungen der DGZMK die Zähne des Säuglings oder Kleinkinds ein Mal täglich mit einer erbsengroßen Menge fluoridhaltiger Kinder-Zahnpasta (500 ppm) geputzt werden. Die Markierung im Borstenfeld der Lern-Zahnbürste erleichtert zum Beispiel die genaue Dosierung der zahnärztlich empfohlenen Menge. Wichtig ist, dass die Kinder-Zahnpasta nicht zu süß schmeckt, sonst könnten Kleinkinder zum Naschen verleitet werden.

Ab dem zweiten Geburtstag ist es erforderlich, dass die Eltern ihren Kindern zwei Mal täglich die Zähne mit Kinder-Zahnpasta putzen. Im dritten Lebensjahr beginnen die Kleinkinder selbst mit ersten eigenen Putzversuchen. Dabei handelt es sich aber in erster Linie um das Halten der Lern-Zahnbürste und das Beibehalten des täglichen Zahnputzrituals; eine gründliche Entfernung der Zahnbeläge im Milchgebiss wird weiterhin nur durch die Eltern erreicht.

Die KAI-Methode

Im Kindergartenalter lernen die Kinder das Zähneputzen nach der „KAI-Methode“ – Kauflächen, Außenflächen, Innenflächen. Allerdings wird damit noch lange keine Plaquefreiheit gewährleistet: Die Eltern müssen weiterhin sorgfältig die Zahnbeläge durch Zähneputzen entfernen.

Der erste bleibende Zahn

Sobald im sechsten Lebensjahr der erste bleibende Zahn des Kindes durchbricht, verändern sich die Verhältnisse im Mund. Damit die neuen Zähne von Anfang an richtig gepflegt werden, sollten die Eltern dieser Altersgruppe weiterhin die Mundhygiene ihrer Kinder betreuen und die Kinderzähne putzen. Die Kinderzahnärzte empfehlen dies bis zum Alter von ca. neun Jahren, da dann die Kinder manuell und feinmotorisch in der Lage sind, ihre Zähne selbst gut zu pflegen.

Ab dem sechsten Geburtstag ändern sich zusätzlich die Anforderungen an die Zahnpasta. Ein höherer Fluoridgehalt von 1000 – 1500 ppm wird notwendig, um den bleibenden Zähnen ausreichend Kariesschutz zu bieten. Dieser Fluoridgehalt findet sich in jeder Junior- und Erwachsenenpaste.

In aller Deutlichkeit

Milchzähne brechen als gesunde Zähne in die Mundhöhle durch – und das Ziel muss heißen, sie bis zum Zahnwechsel gesund zu erhalten, weil sie zum Wohlbefinden des Kindes beitragen. Außerdem werden sie zur Nahrungszerkleinerung und zur Lautbildung der Sprache benötigt, und sie dienen als Platzhalter für die bleibenden Zähne. Mundhygiene beginnt daher mit dem ersten Milchzahn. Sie liegt in der Verantwortung der Eltern, die über eine richtige Mund- und Zahnpflege und eine zahngesunde Ernährung aufgeklärt sein müssen.